Vision Urbanetic: Das futuristische Fahrzeug von Mercedes

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Konzeptfahrzeug für den Verkehr der Zukunft: Vision Urbanetic. Eine hohe Mobilität stellt eines der wesentlichen Kennzeichen der modernen Gesellschaft dar. Viele Menschen legen jeden Tag längere Strecken zurück, um ihre Arbeitsstelle zu erreichen, Freunde zu besuchen oder einzukaufen. Besonders häufig verwenden sie das eigene Auto zu diesem Zweck.


Die folgende Tabelle zeigt dies eindrucksvoll. Darüber hinaus belegt sie, dass der Verkehr in den letzten Jahren in beinahe allen Bereichen deutlich angestiegen ist.

Verkehr in Deutschland: beförderte Personen (in Mio.)
2013 2014 2015 2016 2017
Linienverkehr (Bus/Straßenbahn) 9.306 9.364 9.379 9.493 9.513
Gelegenheitsverkehr (Bus) 74 76 82 81 79
Eisenbahn 2.613 2.693 2.707 2.793 2.831
Luftverkehr 181 187 194 201 213
Motorisierter Individualverkehr 57.318 57.586 58.297 59.116 58.172
Quelle: Destatis

Die hohe Mobilität bietet den Menschen zwar viel Komfort. Doch bringt sie auch zahlreiche Probleme mit sich. Dabei ist insbesondere die Klimaveränderung zu nennen. Die Folgen der globalen Erwärmung sind immer deutlicher zu spüren. Der Kraftstoffverbrauch im Bereich des Verkehrs ist für einen großen Teil der Treibhausgase verantwortlich.

Ein weiteres Problem stellt die überlastete Infrastruktur dar. Staus zählen auf vielen Straßen in Deutschland zu einem alltäglichen Bild. Das erhöht die Dauer der Fahrt erheblich und führt daher zu einem enormen Verlust an Freizeit und im Bereich der professionellen Dienstleistungen auch zu wirtschaftlichen Schäden. Besonders bedeutend ist das Verkehrsproblem in den Großstädten.

Hier ist der Verkehr aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte meistens besonders stark. Zusätzliche Straßen zu bauen, ist aufgrund der nicht vorhandenen Freiflächen mit enormen Kosten verbunden. Daher kommt es hier besonders häufig zu Staus. Schließlich führt der Verkehr in den Städten zu einer hohen Luftbelastung. Die Werte für Stickoxide und für Feinstaub sind gerade in den Ballungszentren enorm. Sie haben einen starken negativen Einfluss auf die Lebensqualität an diesen Orten.

Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass das heutige Verkehrskonzept nicht zukunftsfähig ist. Zu schwerwiegend sind die negativen Folgen. Allerdings sind die Menschen auch nicht dazu bereit, auf ihre Mobilität zu verzichten. Aus diesem Grund ist es notwendig, ein neues Mobilitätskonzept zu entwerfen. Dieses muss die Belastung der Verkehrswege und den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Der Daimler-Konzern leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Das Ergebnis der Arbeiten ist der Vision Urbanetic.

Dieses Fahrzeug verwendet nicht nur modernste Technik. Darüber hinaus ist es vollkommen auf ein Verkehrskonzept ausgerichtet, das die genannten Probleme verhindern soll. Wie der Name des Konzeptfahrzeugs bereits nahelegt, ist es auf die Anwendung in der Stadt ausgelegt. Hier soll es zu einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssituation beitragen.

Der Daimler-Konzern leistet zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs einen wichtigen Beitrag. Das Ergebnis der Arbeiten ist der Vision Urbanetic. 

Der Daimler-Konzern leistet zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs einen wichtigen Beitrag. Das Ergebnis der Arbeiten ist der Vision Urbanetic. (#04)

Der Vision Urbanetic zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Autonomes Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale
  • Elektroantrieb mit geringem Stromverbrauch
  • Intelligentes Konzept mit Wechselaufbauten
  • Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern
  • Für Shared Ride konzipiert

Autonomous Driving: Große Fortschritte bei der selbstständigen Steuerung

Das autonome Fahren stellt eine der wesentlichen Technologien für den Verkehr der Zukunft dar. Selbstfahrende Autos zeichnen sich insbesondere durch eine deutlich höhere Sicherheit aus. Bereits jetzt sind die elektronischen Systeme dazu in der Lage, Verkehrssituationen besser und vor allem schneller als ein menschlicher Fahrer zu erkennen.

Das kann zahlreiche Unfälle vermeiden. Autonomes Fahren trägt darüber hinaus zum Komfort bei. Insbesondere bei längeren Fahrten ist es sehr angenehm, wenn der Fahrer sich nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren muss, sondern ein Buch lesen, einen Film schauen oder sich der Arbeit widmen kann.

Darüber hinaus hat diese Technik ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Für zahlreiche Dienstleistungen ist bislang ein menschlicher Fahrer notwendig, der hohe Kosten verursacht. Selbstfahrende Autos könnten die Preise für Taxis, Busse und für die Güterbeförderung jedoch deutlich reduzieren. Der Vision Urbanetic ist ein vollkommen autonomes Fahrzeug.

Eine Steuerung durch einen menschlichen Fahrer ist hierbei nicht möglich, da er weder über ein Lenkrad noch über Pedale verfügt. Er war sogar bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs. Die Probefahrten im Rahmen der CES 2019 in Las Vegas zeigten eindrücklich, wie weit fortgeschritten diese Technik bereits ist.

Der Vision Urbanetic ist ein vollkommen autonomes Fahrzeug.

Der Vision Urbanetic ist ein vollkommen autonomes Fahrzeug. (#01)

Elektroantrieb: Umweltfreundlich und effizient

Auch der Elektroantrieb zählt zu den zentralen Techniken des Verkehrs der Zukunft. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bietet dieser zahlreiche Vorteile. Beispielsweise setzt er an dem Ort, an dem er eingesetzt wird, keinerlei Emissionen frei. Das könnte die Luftverschmutzung in den Großstädten deutlich reduzieren.

Darüber hinaus ist hierbei die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen vergleichsweise einfach möglich. Auf diese Weise lässt sich das Fahrzeug ohne die Entstehung schädlicher Treibhausgase nutzen. Schließlich ist es hierbei recht einfach möglich, die Energie beim Bremsen zurückzugewinnen. Gerade im Stadtverkehr, wo Bremsvorgänge sehr häufig notwendig sind, kann das den Energieverbrauch deutlich reduzieren.

Bereits jetzt gibt es zahlreiche serienreife Autos, die einen Elektroantrieb verwenden. Aufgrund der genannten Vorteile steigen die Nutzungszahlen in diesem Bereich seit mehreren Jahren stark an.

Zahl der Elektroautos in Deutschland
2014 12.165
2015 18.948
2016 25.502
2017 34.022
2018 53.861
2019 83.175
Quelle: Statista

Auch der Vision Urbanetic ist mit einem leistungsstarken Elektromotor ausgestattet. Dieser zeichnet sich durch einen geringen Stromverbrauch aus. Außerdem sind die leistungsstarken Akkus schnell geladen, sodass hierfür nur eine geringe Dauer einzuplanen ist.

Wechselaufbauten für vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Eine weitere innovative Idee, durch die sich der Vision Urbanetic auszeichnet, ist die Verwendung von Wechselaufbauten. Das Fahrzeug besteht im Wesentlichen aus einer Fahrplattform, die Skateboard genannt wird. Darin ist nicht nur das komplette Antriebssystem integriert. Auch die Steuerungseinheit findet hier Platz.

Das führt dazu, dass die Fahrplattform sogar ohne Aufbauten fahrtüchtig ist. Der Anwender kann nun entscheiden, ob er einen Aufsatz für den Personen- oder für den Gütertransport verwendet. Die Module lassen sich sogar innerhalb weniger Minuten austauschen. Es wäre daher möglich, beide Aufsätze zu erwerben und den Vision Urbanetic je nach Bedarf umzurüsten.

Der Vision Urbanetic mit dem Cargo-Modul

Der Vision Urbanetic mit dem Cargo-Modul. (#01)

V2X: Vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten für den Vision Urbanetic

Die Kommunikationsfähigkeit eines Fahrzeugs spielt ebenfalls eine immer wichtigere Rolle, insbesondere wenn es sich um ein selbstfahrendes Auto handelt. Auch in diesem Bereich wurden neue Technologien entwickelt, die die Datenübertragung deutlich verbessern. Dabei ist in erster Linie Cellular V2X zu nennen. Dieser Standard sorgt für eine schnellere und zuverlässigere Datenübertragung.

Die Car2X Kommunikation unterteilt sich in folgende Teilbereiche:

  • V2V: Kommunikation mit anderen Fahrzeugen
  • V2I: Kommunikation mit der Infrastruktur der Straße
  • V2N: Kommunikation mit einem größeren Netzwerk

Diese Kommunikationsmöglichkeiten können die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich erhöhen. Sie ermöglichen es den Fahrzeugen, sich gegenseitig zu erkennen und Daten zur Geschwindigkeit und zur Bewegungsrichtung abzufragen. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise genau berechnen, ob das Auto eine Kreuzung überqueren kann oder ob das andere Fahrzeug bereits zu nahe ist. Auch bei einem Überholvorgang sind diese Informationen hilfreich. Außerdem können sich die Autos gegenseitig vor Gefahrensituationen warnen.

Darüber hinaus ermöglichen Informationen zur Geschwindigkeit anderer Autos eine gleichmäßigere Fahrweise. Daher sorgt die Kommunikationstechnik auch für eine effizientere Fortbewegung.

Der Vision Urbanetic ist mit all diesen Kommunikationsformen ausgestattet. Daher bewegt er sich besonders sicher und effizient fort. Darüber hinaus nutzt er eine ganz herkömmliche Form der Kommunikation: visuelle Signale. In die Karosserie sind mehrere Anzeigetafeln integriert, die den übrigen Verkehrsteilnehmern beispielsweise anzeigen können, ob der Vision Urbanetic sie erkannt hat.

Ein neuartiges Mobilitätskonzept für die überlasteten Städte

Um die großen Verkehrsprobleme der modernen Gesellschaft in den Griff zu bekommen, ist es notwendig, die Zahl der Fahrzeuge zu reduzieren. Dabei ist es jedoch nicht erwünscht, die Mobilität einzuschränken. Daher ist es sinnvoll, die Transportmöglichkeiten mit anderen Anwendern zu teilen. Ein seit Langem verbreiteter Ansatz hierfür stellt der öffentliche Personennahverkehr dar.

Überfüllte Züge, lange Fahrzeiten und erhebliche Fußwege zum Erreichen der Haltestellen schrecken jedoch viele Menschen ab. Die Tabelle, die weiter oben bereits vorgestellt wurde, zeigte deutlich, dass bei der Anzahl der Beförderungen eindeutig der motorisierte Individualverkehr überwiegt.

Der Daimler Vision Urbanetic: Ein Blick in den loungeartigen Innenraum.

Der Daimler Vision Urbanetic: Ein Blick in den loungeartigen Innenraum. (#02)

Der Vision Urbanetic setzt jedoch auf ein neues Mobilitätskonzept. Er soll den Komfort des Individualverkehrs mit der Effizienz der öffentlichen Verkehrsmittel verbinden. Das Fahrzeug ist für Ride Hailing bestimmt. Das bedeutet, dass die Anwender es per App anfordern können. Sie geben dabei ihren individuellen Start- und Zielpunkt ein. Ein intelligentes Netzwerk ermittelt daraufhin, ob sich die gewünschte Strecke mit den Wegen anderer Nutzer verbinden lässt. Ist dies der Fall, können diese während der Fahrt zusteigen.

Die geteilte Verwendung sorgt für eine erheblich effizientere Nutzung der Fahrzeuge und Verkehrswege. Da die Route auch die Ziele der übrigen Fahrgäste berücksichtigt, kann es sein, dass die Fahrt etwas länger als mit dem eigenen Auto dauert. Da es jedoch nicht notwendig ist, einen Parkplatz zu suchen, kommen die Nutzer dennoch schnell an ihr Ziel.

Wenn man davon ausgeht, dass ein großer Teil der Bevölkerung ein derartiges System nutzt, reduziert sich außerdem das Verkehrsaufkommen, sodass sich die Situation in den Städten deutlich entspannt. Das würde die Beförderung ebenfalls beschleunigen. Der Vision Urbanetic kann dabei beinahe rund um die Uhr im Einsatz sein. Nur während er geladen wird, ist es notwendig, eine Pause einzulegen.

Nicht nur hinsichtlich der individuellen Routenplanung bietet der Vision Urbanetic einen Komfort, der mit dem Individualverkehr vergleichbar ist. Auch die Fahrt selbst ist sehr angenehm. Im großzügigen Innenraum finden bis zu zwölf Fahrgäste bequem Platz.

Automotive Cyber Security: Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entwicklung

Autonome Fahrzeuge könnten ein Ziel für Hackerangriffe darstellen. Eine Möglichkeit stellt beispielsweise das Can Bus Hacking dar, das den Angreifern Zugriff auf den Server des Vision Urbanetic bieten könnte. Auch die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern und mit der Straßen-Infrastruktur bietet Angriffsmöglichkeiten.

Daher ist es wichtig, die gesamte Fahrzeugarchitektur so zu gestalten, dass sie derartige Angriffe verhindert. Hierfür gibt es spezielle Automotive Security Standards wie beispielsweise SAE J3061. Diese sorgen für eine hohe Embedded Security. Beispielsweise ist es möglich, mit SAE J3061 V2I und V2V Kommunikationskanäle sicherer zu gestalten und einen Angriff über das Netzwerk zu verhindern.

Um das Konzept der Automotive Security besser zu verstehen, soll hier ein kurzes Video präsentiert werden. Dieses stellt einige Grundsätze der hierfür verwendeten Sicherheitstechnik vor und zeigt, wie diese die E/E Architektur des Fahrzeugs schützen kann:

Video: Cyber security @ automotive connectivity by Continental

Der Vision Urbanetic: Ein interessantes Modell für den Verkehr der Zukunft

Dass moderne Großstädte erhebliche Verkehrsprobleme aufweisen, ist offensichtlich. Die zunehmende Verstädterung und der steigende Verkehr führen dazu, dass diese immer drängender werden. Deshalb ist es auf der einen Seite notwendig, neue Techniken zu erforschen, die hierbei für Abhilfe sorgen können.

Darüber hinaus ist es wichtig, sich Gedanken über grundlegend neue Mobilitätskonzepte zu machen. Insbesondere die geteilte Nutzung der Fahrzeuge könnte hierbei für eine erhebliche Erleichterung sorgen. Der Vision Urbanetic ist auf diesen Ansatz ausgerichtet. Bislang handelt es sich hierbei nur um ein Konzeptfahrzeug. Die Ideen, die hinter der Entwicklung stehen, könnten jedoch einen großen Einfluss auf den Verkehr der Zukunft haben.

Um sich ein noch besseres Bild von diesem futuristischen Fahrzeug zu machen, ist es sinnvoll, dieses in Aktion zu sehen. Das folgende Video zeigt anschaulich, welche Technik der Vision Urbanetic verwendet und wie sich diese auf den Straßenverkehr auswirken könnte:

Video: Mercedes Vision Urbanetic: Innovativer Achtsitzer für die autonome Zukunft | ADAC


Bildnachweis: ©Daimler – Titelbild – #02 – #03
©Shutterstock – #01: meowKa – #04: fuyu liu

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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