Richtiges Durchfahren von Kurven

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Für viele Motorradfahrer sind Kurven das Salz in der Biker-Suppe. Ohne sie wäre das Leben auf zwei Rädern recht langweilig. Aber richtiges Durchfahren einer Kurve fordert Mensch, Maschine und die Physik heraus. Etwas Basiswissen, um es richtig zu machen, schadet da nicht.

Der Lenkimpuls: Wie geht denn das?

Im Grunde ist es einfach: Wir steuern das Motorrad mit unseren Händen und merken es nur nicht. Wir haben es uns noch nie so richtig bewusst gemacht. Der Fachausdruck zum Einleiten der Schräglage heißt „Lenkimpuls“, dadurch wird der Schwerpunkt des Motorrads so verändert, dass es in Schräglage fällt.

Das funktioniert allerdings nur, wenn die Kreiselkräfte der Räder des Motorrads so hoch sind, das es spurstabil fährt. Bei etwa 20 Km/h Geschwindigkeit ist das der Fall. Fahren wir langsam, lenken wir tatsächlich. Fahren wir allerdings schneller, so lässt sich das Motorrad durch lenken nicht mehr steuern, sondern nur noch durch den Lenkimpuls. Und der läuft wie folgt ab:

Wenn das Motorrad eine Linkskurve fahren soll, muss es sich auch nach Links in die Kurve legen. Die Schräglage ist dabei abhängig vom Kurvenradius und der gefahrenen Geschwindigkeit.

Wenn man nun möchte, dass sein Motorrad nach links in Schräglage fällt, drückt man mit der linken Hand den Lenker leicht nach vorne. Dieser geringe Impuls reicht, um den Schwerpunkt des Motorrads so zu verlagern, dass es nach links in Schräglage fällt.

Ist die gewünschte Schräglage erreicht, wird der Druck auf den Lenker gehalten. Am Kurvenausgang wird der Druck verringert, wodurch sich das Motorrad wieder aufrichtet.

Hinein in die Kurve: Die drei Phasen

  1. Rote Phase: Beim Einlenken wird auf die richtige Geschwindigkeit runtergebremst. Dabei entsteht besonders bei breiten Reifen das sogenannte Aufstellmoment. Die Aufstandsfläche des Reifens befindet sich hier in Schräglage einige Zentimeter außerhalb der Mitte. Dieses Verhalten des Motorrades muss der Fahrer durch eine Gegenlenkkraft ausgleichen.
  2. Hinein in die Kurve: Die drei Phasen #01

    Hinein in die Kurve: Die drei Phasen #01

  3. Gelbe Phase: Schräglage in der Rollphase. Jetzt sind die Umfangskräfte am Vorderrad kleiner, während am Hinterrad je nach Geschwindigkeit die Antriebskraft wirkt. Die Reifen können jetzt hohe Seitenkräfte übertragen und ermöglichen somit eine enorme Schräglage. Sollte hier überzogen werden, verliert meist der schmalere Vorderreifen zuerst die Haftung. Deshalb muss man versuchen, so früh wie möglich leicht zu beschleunigen, um den Vorderreifen zu entlasten.
  4. Grüne Phase: Beschleunigen aus der Schräglage. Am Kurvenausgang wird sanft Gas gegeben, wodurch sich das Motorrad aufrichtet und sich der Kurvenradius vergrößert. Möchte man diesen Vorgang beschleunigen, hilft ein zusätzlicher Druck am kurvenäußeren Lenkerende. Je nach Beschleunigung wirkt eine mehr oder weniger starke Umfangskraft auf den Hinterreifen, weshalb dieser weniger Seitenkräfte, also Schräglage, verkraften kann als der vordere Reifen. Der muss in dieser Phase nur minimale Umfangskräfte übertragen.

Häufige Fehler beim Kurvenfahren

Die Angst vor zu großer Schräglage ist dabei der Klassiker unter den Fahrfehlern. Als Folge endet der Kurvenradius auf der Gegenfahrbahn. Die Ursache dafür ist meist mangelnde Übung von Schräglage und Kurvengeschwindigkeit.

Wer sich generell keine großen Schräglagen zutraut, hat enorme Probleme, wenn sich der Kurvenradius zuzieht oder die Einlenkgeschwindigkeit zu hoch ist. Dann gilt es, das Motorrad durch bewusste Lenkimpulse in Schräglage zu zwingen.

Das funktioniert jedoch nur, wenn die Wasserwaage im Kopf das zulässt. Der Mensch mag von Natur aus höchstens 20 Grad Schräglage. Soll es etwas mehr sein, muss er üben. Tipp: Wenn es richtig eng wird, das Motorrad im Fahrstil „Drücken“ durch die Kurve zwingen.


Genauso gravierend sind die Folgen beim „Einfrieren“ auf der Bremse. Wenn auf der Geraden ordentlich am Gashahn gedreht wird, rast der Bremspunkt schneller auf den sportlichen Biker zu, als er diesen erfassen kann. In der Folge wird in ziemlicher Panik mit aller Macht gebremst.

Aber anstatt am Einlenkpunkt die Bremse zu lösen und einzubiegen, bleibt der erstarrte Motorradfahrer auf der Bremse sitzen und wundert sich, warum das Motorrad nicht einlenken möchte, sondern wie auf Schienen geradeaus fährt, Stichwort: Aufstellmoment.

Auch in solchen Situationen fehlt die Übung. Auge und Gehirn müssen mit der hohen Geschwindigkeit und der brachialen Verzögerung vertraut gemacht werden.

Ganz wichtig ist in diesem Fall auch die Blickführung. Wer auf der Bremse verharrt und schon den Einschlagpunkt des Motorrades in der Wiese anvisiert, der trifft ihn garantiert. Deshalb sollte man sich zwingen, den Blick in die Straße hinein zu richten!



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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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