Piaggio Hexagon: Ein Motorroller erobert die Welt

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Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, kaum jemand konnte sich ein Auto leisten, aber es wurden dringend Transportmöglichkeiten benötigt. Die Firma Piaggio hatte aus dem Bau von Kriegsflugzeugen noch Material, Blechpressen und vor allem einen Flugzeug-Konstrukteur zur Verfügung.

1946 bekam Dieser den Auftrag, einen Motorroller zu entwerfen. Die Vorgaben: der Motorroller sollte sparsam sein, einfach in der Handhabung und aus dem noch vorhandenen Material produzierbar. Nach kurzer Konzeptionszeit entstand der erste Motorroller. Sein Name: Vespa.

Die Industrie schaffte es in den 1990er-Jahren, dem Motorroller ein neues Image zu geben, das klassische Kleinkraftrad in Form des Mokicks wurde abgelöst. Galt der Roller vorher noch als reines „Frauenfahrzeug“, wird er nun vor allem als „Scooter“ und „Cityflitzer“ verkauft.

Die bis 1990 gebauten Vespa-Modelle, mit der typischen Blechkarosserie, hatten zwar Kultstatus, jedoch gingen die Verkaufszahlen immer weiter zurück so dass Piaggio im Jahr 1990 mit der Piaggio Sfera seinen ersten Motorroller mit Stahlrohrrahmen und Kunststoffkarosserie auf den Markt brachte.

Piaggio Hexagon: Technische Daten

Als Antwort auf die 1985 erschienene und erfolgreiche Honda CN 250 Helix, präsentierte Piaggio 1994 die Hexagon, deren Karosserie nach dem gleichen Prinzip aufgebaut war. Wegen der breiten Sitzbank und der entspannten Sitzposition werden Roller nach diesem Bauprinzip scherzhaft als Sofaroller bezeichnet.

Der Roller war mit wassergekühlten Einzylinder-Zwei- und -Viertaktmotoren mit Hubräumen zwischen 125 cm³ und 250 cm³ erhältlich. Weiter wurde ein luftgekühltes 125-cm³-Viertaktmodell angeboten Die Modelle hatten anfangs 10-Zoll-Räder, was sie trotz ihrer Größe sehr wendig machte.

Modelle ab 1998 hatten ein Fahrwerk mit 11-Zoll-Rädern, Modelle ab 2002 hatten Zug um Zug ein Fahrwerk mit 12-Zoll-Rädern erhalten.

Für die Antriebseinheit wurde eine Triebsatzschwinge verwendet, d.h. die gefederte Hinterradschwinge enthält den gesamten Antrieb mit Motor, Variomatik, Kupplung und Endgetriebe. Als Motoren kamen wassergekühlte Einzylinder-Zweitakt– und –Viertaktmotoren mit Hubräumen zwischen 125 cm³ und 250 cm³ zum Einsatz. Nur der Typ LX4 hatte einen luftgekühlten 4-Takt Motor.

Das stufenlose Riemengetriebe überträgt die Kraft über eine Fliehkraftkupplung auf das Hinterrad. Da das CVT-Getriebe nicht geschaltet werden muss, und die Fliehkraftkupplung automatisch arbeitet, war der Roller sehr einfach und komfortabel zu bewegen.


Das Fahrwerk aller 2-Takter hatte hinten die genannte Triebsatzschwinge mit einem einzelnen Stoßdämpfer, die jedoch, wie alle Triebsatzschwingen, den Nachteil einer verhältnismäßig großen ungefederten Masse hatte und deshalb nicht besonders komfortabel war.

Das Vorderrad war, wie bei der Vespa, mit einer gezogenen Schwinge und einem einzelnen Stoßdämpfer aufgehängt. Die Modelle hatten bis 1998 10-Zoll-Räder. Aus Stabilitäts- und Komfortgründen bekamen die Modelle ab 1998 ein Fahrwerk mit 11-Zoll-Rädern, die letzten Modelle des Hexagon wurden mit einer Teleskopgabel vorne und 12-Zoll-Rädern ausgeliefert.

Die Hexagon hatte vorne eine hydraulische Scheibenbremse, bei den Modellen vor 1998 mit einem festen 2-Kolben-Sattel und einem Scheibendurchmesser von 175 mm, nach 1998 ein schwimmend gelagerter 2-Kolben-Sattel mit einem Scheibendurchmesser von 200 mm.

Die durch Bowdenzug betätigte Hinterradbremse bis 1998 war eine Trommelbremse mit 110 mm Trommeldurchmesser, nach 1998 mit 140 mm Trommeldurchmesser. Die 4-Takt-Modelle GTX ab 2000 hatten hinten auch eine hydraulische Scheibenbremse.

Die Elektrische Anlage besteht aus einer von der Batterieversorgung unabhängigen Kondensatorzündanlage (CDI=Capacitor Discharge Ignition) und einer Generatoranlage mit Regler, die bei laufendem Motor einen Bleiakku lädt und alle sonstigen Verbraucher (außer der Zündung) versorgt.

Die Modelle bis 1998 hatten einen einzelnen Scheinwerfer mit H4 Licht, die Modelle ab 1998 einen Doppelscheinwerfer mit H7/H1 Licht, der eine weitaus bessere Lichtausbeute brachte.

Das erste Modell war der EX als 125´er und 150´er. Diese wurden nur als 2-Takter gebaut. Dann kam die Modifizierte LX oder LXT, diese wurden als 125´er und 180´er mit 2-Takt Motor gebaut.

Dazu kamen dann die 4-Taktmodelle GT und GTX als 125´er 180´er und 250´er. Kurz vor Ende der Baureihe hat Piaggio der Hexagon noch mal einige Neuteile spendiert, das war der Lead Motor und die Telegabel mit zwei Holmen die später in dem X8 also dem Nachfolger der Hexagon verbaut wurde.

Das sind die größten Unterschiede.

  • Altes Modell

    10 Zoll Felgen, kleinerer Tank, schlechterer Windschutz, Frontscheinwerfer mit schlechter Licht ausbeute.

  • Neues Modell

    Zahlreiche Optische Veränderungen. Frontscheinwerfer geändert, Kofferklappe hinten mit der Anordnung der Blinker. 11 Zoll Felgen, grösserer Tank , besserer Windschutz an den Händen durch Verbreiterung der Lenkerverkleidung, die Frontverkleidung wurde durch Windabweiser verbreitert, was einen besseren Windschutz im Bereich der Beine erzielt. Viele alte Hexagon haben den Scheinwerfer der Neueren Hexagon, weil dieser eine wesentlich bessere Lichtausbeute haben und Optisch schöner aussieht.

Piaggio Hexagon: Italienische Lebensart

Piaggio Hexagon: Italienische Lebensart

Piaggio Hexagon: Augen auf beim Gebrauchtkauf

Wenn Sie sich einen gebrauchten Hexagon Roller kaufen, hat dieser schon einiges an Jahren auf dem Buckel. Selbst wenn der Roller den Sie kaufen erst wenige Kilometer auf dem Buckel hat, er hat sein Alter und manche Teile werden mit den Jahren nicht besser.

Als erstes sollten die Reifen untersucht werden. Nicht das diese so alt sind wie der Roller. Um das Alter der Reifen zu bestimmen, schauen Sie auf die DOT Nummer am Reifen.

Die letzten drei Ziffern der DOT – Nummer weisen Produktionswoche und -Jahr aus. Die Zahlenfolge „434<“ bedeutet, dass der Reifen in 43. Woche im Jahr 1994 hergestellt wurde, wobei das Dreieck für die 90er-Jahre steht.

Fehlt das Dreieck, stammt der Reifen noch aus den 80er-Jahren. Ab Januar 2000 ist eine vierstellige DOT – Nummer vorgeschrieben. „0100“ bedeutet, dass der Reifen in der 1. Woche des Jahres 2000 produziert wurde.

Bei einem 2-Takt Roller sollte zudem noch der Riemen der Ölpumpe erneuert werden. Reißt dieser, bedeutet das einen Kolbenklemmer und damit eine teure Reparatur. Der Riemen der Variomatik sollte ebenfalls erneuert werden ( egal ob 2 oder 4-Takter). Und dann ist noch die Vorderbremse einer Kontrolle zu unterziehen. Die Beläge sollten auf ihre Stärke überprüft und die Bremsflüssigkeit gewechselt werden.

Wenn Sie diese Dinge beachtet haben, steht dem Fahrspaß mit dem Roller nichts mehr im Wege. Dann steht auch Ihr Roller für lässiges Savoir-Vivre und pure Stadtromantik und gehört zum Sommer wie die Sonne


Bildnachweis:© Fotolia-Beitragsbild: Tomasz Zajda, #01:

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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